Archive for the ‘Philippinen’ Category

Serious fun

Mittwoch, März 7th, 2012

Der nächste Tauchkurs der bei mir ansteht ist der Rescue Diver. Den mache ich in Sabang bei „Mare Divers“. Der Diveshop gehört Rainer, mein Kurs-Instructor ist Chris. Fest in deutscher Hand der Laden. Das ist der erste Tauchkurs den ich auf Deutsch absolviere; an das neue Vokabular muss ich mich auch erst mal gewöhnen.

Beim Rescue Diver lernt man mit Tauchunfällen umzugehen – unter Wasser, an der Wasseroberfläche und an Land. Bestandteil des Kurses ist außerdem ein Erste-Hilfe-Kurs (EFR = Emergency First Response) und ein Herz-Lungen-Wiederbelebungs-Kurs (HLW).

Die Theorie ist furchtbar trocken und nimmt schrecklich viel Zeit in Anspruch. Dafür haben wir ein prima „Klassenzimmer“ mit Blick auf’s Meer! 🙂

Die Übungen im Wasser machen ein bisschen mehr Spaß: Bunny, ein Angestellter des Diveshops, wird von Chris als mein „Opfer“ für die Übungen auserkoren. Wir fahren zusammen mit dem Boot zur schwimmenden Bar vor Sabang raus. Dort können wir unsere Ausrüstung fertig machen und relativ ungestört üben – ohne dass jemand den Rettungsdienst informiert um dem armen Bunny zu Hilfe zu eilen. 🙂

Bunny ist übrigens ein klitzekleiner Kerl und spargeldünn, und trotzdem bin ich nach 3 Stunden Übungen im Wasser völlig fertig. (Okay, ich hab auch 3 Stunden Übungen im Wasser hinter mir, aber trotzdem… wär Bunny ein fetter Kerl, hätte ICH nach den 3 Stunden gerettet werden müssen.)

Jetzt bin ich jedenfalls prima ausgebildet, einem erschöpften Taucher zu helfen, einem Taucher in Panik, einem nicht reagierenden Taucher, ich kann Taucher sicher zur Wasseroberfläche bringen, sicher aus dem Wasser, und vielleicht kann ich sie dann auch wiederbeleben. Oh, und wenn mal jemand einen Taucher vermisst wende er sich vertrauensvoll an mich; ich kenne jetzt diverse Suchmuster für das Auffinden unter Wasser.

Das kennt nicht mal Google Maps

Freitag, Februar 10th, 2012

Ich bin auf Mindoro angekommen. Nach Puerto Galero, dem Hauptankunftsplatz wenn man von Luzon kommt, wollt ich nicht, der Nachbarort Sabang ist angeblich weniger touristisch und schöner. Aber das sollen die Fähren-Fahrtzeiten entscheiden: Welche ich grad erwische wenn ich am Hafen in Batangas ankomme, die soll´s dann auch direkt sein. Es wird dann Sabang.
Die Fähre ist eine relativ große Bangka. Das ist ein philippinisches Auslegerboot; für alle die (wie ich) mit nautischen Bezeichnungen nicht so ganz familiär sind: Ein Boot mit „Stützrädern“. Also äh… Stützbrettern… äh… ach, ich lad einfach ein Bild hoch!
Bin dann da in Sabang durch die Gegend gelaufen auf der Suche nach einer Unterkunft. Bin einfach mal einem Schild gefolgt das „Tuna Joe’s Backpackers“ ankuendigte – immer weiter Richtung Urwald, und ´ne Dreiviertelstunde später bin ich in ´nem ca. 500-Seelen-Dorf gelandet. :)) Hier gibt es aber tatsächlich ein Hostel, und dort wohnt – wie könnte es anders sein – ein weiterer Kölner. Und ein alter Australier. Und das war´s auch schon an Gaesten. Hehe, total abgefahren. Hier gibt´s keine Bettler, lauter glückliche Kinder, und keiner will Dir was verkaufen. Die ham halt auch nix zu verkaufen. Ich schätze mal in dem Ort hier hat´s 20 Weißgesichter. ABER kostenloses Wifi, und am Kiosk gibt´s gekühltes Bier, und die Tante nimmt todernst Pfand auf die Flaschen.

Einem Freund der auch gerade auf den Philippinen unterwegs ist wollte ich zeigen wo das Dorf liegt. Aber das kannste vergessen; Sinandigan ist so klein, das kennt nicht mal Google.

Manila stinkt

Donnerstag, Februar 9th, 2012

Von Darwin aus fliege ich nach Singapur. Nur Stop-Over für 9 Stunden. Der Flieger landet um 21.15 Uhr, und am nächsten Morgen um 06.25 Uhr geht es weiter auf die Philippinen. Das ist mit Jetstar die billigste Verbindung. Zimmer nehmen für die Nacht kommt nicht in Frage, das würde ja den Sparplan direkt wieder zunichte machen; die Nacht verbringe ich natürlich im Flughafen. Haha, das mach´ ich auch nie wieder!!
Gegen Mitternacht hab´ ich endlich ein Plätzchen gefunden: Einen großen weichen Sessel, da kann ich mich einmummeln und meine Taschen gleich mit. Prima. Ich bin dann GERADE eingepennt, da fangen zwei humorvolle indische Herren an, 2 Meter vor meiner Nase mit Hammer und Bohrmaschine zu arbeiten. Um 2.30 Uhr in der Nacht. Na klar… Die Beiden ernten dann auch viele wütende Blicke der Schlafsuchenden die hier so rumliegen. Ich troll´ mich, finde eine ruhige Ecke und streck´ mich einfach auf dem Boden aus. Das einzige Geräusch hier ist das Fiepen der eine Etage tiefer entlangfahrenden Elektrokarts. So komme ich doch noch auf 2 Stunden Schlaf mit nur ein paar Unterbrechungen.

Den Flug nach Manila verpenn´ ich dafür fast komplett. Noch während der Flieger auf die Startbahn rollt bin ich weg. Als ich die Augen wieder aufmache fühl´ ich mich schon VIEL erholter – und wunder´ mich dass wir noch immer nicht abgehoben haben. 😀 Mann, ich bin völlig fertig… Kurz nach dem Start schlaf´ ich aber wieder ein, und das hält dann auch mal ´ne halbe Stunde an.

In Manila angekommen werde ich vom Hostel-Shuttle abgeholt. Das ist unerklärlicherweise teurer als ein Taxi… Und teurer als eine Nacht im Hostel. Seltsame Preispolitik…
Wir fahren Richtung Malate; das ist laut Reiseführer einer der weniger schlimmen Stadtteile. Aber der Lonely Planet lässt eh kein gutes Haar an Manila! Also, selber gucken. So schlecht sieht die Gegend hier gar nicht aus. Hinter der nächsten Kurve nicht mehr ganz so nett. Noch ´ne Kurve weiter und es sieht gar nicht mehr gut aus. Und NOCH eine Kurve, dann sieht es sogar ganz abscheulich aus. Tadaaaa, da ist das Hostel. Och nö!… So typisch.
Im Moment ist mir aber alles egal; ich brauche ´ne Dusche und ein Bett! 3 Stunden später geht es frischgewaschen und ausgeruht zur ersten Sightseeingrunde durch Malate.

Abgefahren! Die Straßen sind gerammelt voll: Mit Autos (Rechtsverkehr, scheiße..), Straßenständen, Passanten, Bettlern und viel, viel Müll. Die Bürgersteige sind auch nicht zum Gehen gedacht; sie dienen den fliegenden Händlern als Verkaufsfläche, den Obdachlosen als Schlafplatz und der Allgemeinheit als Abstellfläche für Gerümpel. Oh, und als Müllkippe und Klo dienen sie auch. Es stinkt ABSCHEULICH in Manila, ganz egal wo Du hingehst.
Wenn Du runter ans Meer zur Promenade gehst stinkt es ungeheuerlich nach Kloake. Die Promenade wird grade renoviert, wurde vom letzten Tsunami zerstört, und entlang der Hauptstraße zieht sich ein kilometerlanger Bauzaun. Dahinter haben sich hunderte Obdachlose häuslich eingerichtet (sieht man von den Brücken aus die die Hauptstraße überqueren), und die waschen sich ernsthaft in dem Wasser! *örks* Ich hab´ ein Familienbad miterlebt.. Ich weiß nicht, aber ich glaub´ da würd´ ich lieber staubig bleiben, statt in den Abwässern der halben Stadt zu baden.
Wenn Du an Baustellen vorbeigehst (wovon es in Manila schätzungsweise… verdammt viele gibt) riecht es nach Jauche. Dieses Phänomen hat sich mir bisher nicht erschlossen. Wer weiß womit die da bauen…
Wenn Du an „Grünanlagen“ (hoffnungsloser Euphemismus) vorbeigehst riecht es nach Müll, verbranntem Müll und wieder nach Aa.

Straßenhändler verbringen ihren Tag auch unter eher nicht so hygienischen Umständen – keine Toilette weit und breit, und nachdem man ins Gebüsch geschissen hat kann man sich nirgends die Hände waschen… Ich werd´ mich hüten, Obst zu essen das die angefasst haben! Sie selber auch übrigens. Ich hab´ die beim Essen beobachtet. Besteck gibt´s da nicht, aber mit den bloßen Händen essen die auch nicht, sind ja nicht blöd. Nee, die ziehen sich Plastiktüten über die Hände und essen so. Nix essen was man selber angefasst hat.

Ey, aber das klingt jetzt so als fänd´ ich Manila scheiße. Stimmt gar nicht! Also, erst mal kann ich mich an die Spielregeln solcher Städte noch sehr gut erinnern, daher komme ich mit dem Straßenverkehr, der Dauerbelästigung durch Straßenhändler und der Dauerbelästigung durch Philippino-Machos zurecht. Straßenhändler anlächeln, den Kopf schütteln, taub werden und weitergehen. Machos anlächeln, zurückwinken, taub werden und weitergehen.
Das mit dem Straßenverkehr ist schon etwas komplizierter, denn da gibt es das HUPEN. Gehupt wird IMMER, ohne Unterlass, zu jeder Gelegenheit. Hupen kann so einiges bedeuten. Meistens heißt es einfach „hier bin ich“. Manchmal heißt es aber auch „ich überhole dich gerade“ oder „ich fahre hinter dir“. Es kann auch heißen „dein Fahrstil gefällt mir nicht“ (nicht ganz so freundlich ausgedrückt allerdings), oder „ich biege jetzt hier ab“. Manchmal ist es eine Warnung für Fußgänger, oft heißt es aber schlicht „Oh la la Ma´am“. Und ab und zu will der Fahrer nur darauf aufmerksam machen was für ein GEILES Auto er hat. Also, ziemlich viel Gehupe die ganze Zeit, und wer will sich schon die Zeit nehmen rauszufinden was das jetzt grad hieß?! Grundregel Nummer 1 wenn man eine Straße überqueren will: Entweder eine große Geste machen oder sehr entschlossen gucken und LOSGEHEN. Funktioniert immer, und so kommt man wenigstens in ´nem vernünftigen Tempo rum.

An Tag zwei guck´ ich mir den Rizal Park mit dem Rizal Monument an, der liegt hinter dem Stadtteil Ermita. Ermita ist noch mal chaotischer als Malate. Der Park selber ist ganz schön runtergekommen und voller Penner und streunender Katzen. In der Mitte liegt ein Wasserbecken, halb leer und sehr schmutzig, das klangvoll „Central Lagoon“ genannt wird. Rundherum stehen Eisenbänke und aus Lautsprechern dröhnt philippinische Popmusik. Auf den Bänken sitzen Philippinos mit verklärtem Blick. Einen Peso für deren Gedanken! 🙂

Tag drei ist für den Stadtteil Intramuros reserviert, das dortige Fort Santiago und das Rizal-Denkmal. Ach ja, Dr. José Rizal ist übrigens der Nationalheld; sowas wie der philippinische Ghandi, ein Schriftsteller, Arzt (der Junge hat in Heidelberg Medizin studiert) und friedlicher Revolutionär des späten 19. Jahrhunderts. In Fort Santiago war Rizal bis zu seiner Hinrichtung im Alter von 35 Jahren eingekerkert, und dort befindet sich jetzt ein Museum mit seinen Hinterlassenschaften.
Gleichzeitig dient das Fort als Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Manila wurde im Krieg von 1942 – 45 dem Erdboden gleichgemacht, ist in den Nachkriegsjahren dafür exponentiell gewachsen.

Ja, und sonst… Philippinen klingt einfach toll find´ ich: 7107 Inseln (und ich MAG Inseln doch so). Einige der tollsten Tauchreviere der Welt. Englisch ist eine der Landessprachen, Spanisch ist Ersatzsprache, sehr praktisch. Das billigste Bier der Welt. Hört sich für mich nach einer MENGE Spaß an! 😉 Morgen geht´s weiter auf die Insel Mindoro.
Abwarten wie´s da riecht.